» Link zum Bericht in der RP-Online vom 17.02.2011
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 17.02.2011
Mr. Mo und seine Tricks
(RP) Seit zwei Jahren dreht der braune Wallach beim Reit- und Fahrverein Hilden als Volitigierpferd seine Runden. Bis zu seinem ersten Turnier musste er eine Menge lernen.
Abwesend, fast schläfrig wirkt der großrahmige braune Wallach auf den ersten Blick. Doch wer Mr. Mo tiefer in die Augen schaut, kann dort ein schalkhaftes Blitzen entdecken. Die zur Schau gestellte Trägheit nutzt der Vierbeiner gerne, um die Zweibeiner um ihn herum auszutricksen. "Wenn die Kinder ihn putzen, löst er schon mal blitzschnell den Knoten am Anbindestrick oder marschiert beim Hufeauskratzen unvermittelt aus der Box", berichtet Evelyn Oermann.
Die Volitigier-Trainerin beim Reit- und Fahrverein Hilden konnte Mr. Mo zunächst auch nicht richtig einschätzen. Als er vor zwei Jahren als Fünfjähriger in den Stall kam, hielt sie ihn für ziemlich dumm. "Mit der Zeit bin ich aber dahintergekommen, dass er das nur vortäuscht, um sich das Leben etwas leichter zu machen." Denn im Training erwies sich Mr. Mo als sehr gelehrig. "Manchmal brauche ich an der Longe ein Kommando nur zu denken und schon setzt er das um", sagt Oermann. Sie schätzt an ihm besonders seinen Langmut, wenn die Kinder auf seinem Rücken turnen. "Das ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Voltigierpferd."
Buckeln ist ebenso tabu wie ein kurzer Satz zur Seite oder eine schnelle Trabeinlage. Wenn die Turner ihre Übungen absolvieren, muss Mr. Mo ganz gleichmäßig im Kreis galoppieren und alles vermeiden, was die Zweibeiner aus dem Gleichgewicht bringt. "Wenn das Pferd nicht mitmacht, können die Voltigierer nicht turnen. Auf Turnieren vergeben die Richter daher auch für Pferd und Longenführer eine Note, die Einfluss auf das Gesamtergebnis hat", erklärt Oermann.
Schrittweise hat sie Mr. Mo beigebracht, worauf es ankommt. Denn nachdem er den Gesundheits-Check und charakterlichen Eignungstest bestanden hatte, stand ihm die Ausbildung zum Voltigierpferd erst noch bevor. "Als er zu uns kam, konnte er nicht einmal richtig galoppieren", erinnert sich seine Trainerin. Bei Geländeritten mit anderen Pferden musste der Wallach zunächst lernen, seine Beine im dritten Gang richtig zu sortieren. "Als er das einmal verstanden hatte, konnte er auch an der Longe
Erst danach konnte Evelyn Oermann die Kinder in das Training miteinbeziehen. Im Schritt musste sich Mr. Mo erst einmal darauf einstellen, nicht auf ihre Gewichtsverlagerungen zu reagieren und bei den verschiedenen Übungen ob vorne am Hals, über seiner Schulter oder auf seinem Rücken, immer die Balance zu behalten. Gewöhnungsbedürftig war für ihn außerdem, dass die Voltigierer mit Anlauf auf seinen Rücken springen. "Die ersten Male ist er ganz verwundert stehen geblieben, als sie auf ihn zugelaufen sind. Doch inzwischen hat er alles super gelernt", lobt Oermann.
Nur bei seinem zweiten Turnier ging der Schalk mit ihm durch und er trickste einmal mehr alle aus. "Dort mussten wir auf einer Wiese ablongieren. Mo ist sehr verfressen, und als wir in die Halle gegangen sind, hatte er nur noch das Gras im Sinn. Dreimal ist er vom Galopp in den Trab gefallen und hat dadurch die ganze Prüfung vermasselt", erzählt Oermann.
Beim letzten Turnier der Saison überraschte Mr. Mo die Trainerin dann mit einer Gehorsamsprüfung, mit der er seine Voltigierer zum Sieg trug. "Da habe ich ihm alles andere verziehen", sagt Evelyn Oermann und klopft dem großen Braunen liebevoll den Hals. Schläfrig schaut er sie an, doch in seinen Augen blitzt es.
